Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte

Dogmatik und Dogmengeschichte: Was ist das?

Die katholische Theologie denkt kritisch über den katholischen Glauben nach, wie er sich in religiösen Überzeugungen, liturgischen Praktiken, ethischen Maßstäben oder rechtlichen Regelungen zeigt. Die Dogmatik befasst sich dabei mit den Lehrinhalten, die in der katholischen Kirche gepflegt und diskutiert werden. Die Dogmengeschichte untersucht, wie diese Inhalte sich entwickelt und im Laufe der Zeit verändert haben.

An unserem Lehrstuhl...

  • untersuchen wir die normativen Gehalte katholischen Glaubens in ihrem systematischen Zusammenhang – von der Christologie über die Sakramentenlehre bis hin zur Eschatologie (der Vorstellung von den „letzten Dingen“).
  • rekonstruieren wir, welche historischen Debatten und Konflikte dazu geführt haben, dass diese Kerngehalte ihre heutige Form annehmen konnten.
  • fragen wir, inwiefern katholische Lehrmeinungen und kirchliche Sozialformen reformfähig und veränderbar sind.
  • setzen wie Lehrinhalte der katholischen Kirche in Beziehung zu den Überzeugungen anderer Konfessionen.
  • vergleichen wir christliche Glaubensüberzeugungen mit Vorstellungswelten anderer religiöser Gemeinschaften.
  • suchen wir das Gespräch mit anderen Disziplinen, insbesondere der Philosophie, den Kultur- und Sozialwissenschaften, der Geschichte und den Rechtswissenschaften, um den christlichen Glauben aus möglichst vielen Perspektiven heraus betrachten zu können.


Lehrstuhlinhaber

Prof. Dr. Michael Seewald

Sekretariat

Christina Rink
Ludwig-Maximilians-Universität
Katholisch-Theologische Fakultät
Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Raum C 116
+49 89 2180-3286
sekretariat.seewald@kaththeol.lmu.de

Lehrstuhlteam

Dr. Felix Arens

Akademischer Rat a.Z.

Raum: C 122

Dr. Devid Giovannini

Wissenschaftliche Hilfskraft

Raum: C 122

Mag. theol. Benedikt Heider

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

Raum: C 122

Christina Rink

Verwaltungsangestellte

Raum: C 116


Projekte

Laufzeit: 2026-2033

Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Seewald

Das Projekt hat einen editorischen und einen systematischen Teil. Dem ersten, editorischen Teilprojekt geht es darum, das Enchiridion Symbolorum, definitionum et declarationum de rebus fidei et morum neu herauszugeben. Dieses Handbuch, das erstmals 1854 von Heinrich Denzinger zusammengestellt wurde (und in Kurzform daher „Denzinger“ genannt wird), liegt mittlerweile in der 45. Auflage und in zahlreichen Sprachen vor. Es dürfte sich nach der Bibel um das meistzitierte Buch der katholischen Theologie handeln. Ziel der Neuedition ist es, die in dem Handbuch abgebildete Quellenbasis einerseits zu verbreitern, andererseits aber auch unwichtigere Texte zu entfernen und das Quellenkorpus mit Hilfe von Methoden der digital humanities in technisch aufbereiteter Form neu zugänglich zu machen. Das zweite Teilprojekt denkt über systematische Fragen nach, die mit der Verwendung des Denzingers verbunden sind: Welche Fiktionen kontinuierlicher Rechtgläubigkeit erzeugt der Denzinger? Wie verlaufen Prozesse der dogmatischen Kanonbildung? Wie verhalten sich historische Referenzen zu systematischen Argumenten?

Weitere Informationen zum Projekt

Laufzeit: 2026-2031

Finanzierung: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Seewald

Das BMFTR finanziert den wissenschaftlichen und strukturellen Aufbau eines Instituts für multidisziplinäre Religionsforschung. Das strukturelle Ziel dieses Instituts ist es, herausragende religionsbezogene Forschung an verschiedenen Standorten in Deutschland miteinander zu vernetzen. Wissenschaftlich geht es darum, Religion als gesellschaftsgestaltendes Phänomen aus multidisziplinärer Perspektive zu untersuchen, um die Beziehungen religiöser Gemeinschaften untereinander, ihr Verhältnis zu Recht, Politik und Gesellschaft sowie ihre soziale Plastizität, die in der Lage ist, sich mit anderen Formen der Weltdeutung zu verbinden, präziser zu verstehen. An der Ludwig-Maximilians-Universität München liegt die Koordination der Forschungsgruppe „Transzendente Zweitwertungen – ihre juristischen, theologischen und soziologischen Implikationen.“ Dabei wird an der LMU insbesondere das Verhältnis von Transzendenzbezug, Organisationalität und Rechtssetzung in der katholischen Kirche untersucht.

Laufzeit: 2024-2029

Finanzierung: Wissenschaftskolleg zu Berlin

Projektleitung: Prof. Dr. Michael Seewald

Das Konzept einer historia dogmatum, wie es von protestantischen Aufklärungstheologen im 18. Jahrhundert entwickelt wurde, versuchte, die Entstehung christlicher Lehren nicht primär aus der Perspektive der Kontinuität und des „Organischen“ zu betrachten, sondern interessierte sich für Diskontinuitäten, Innovationen und Brüche in der Entwicklung des christlichen Dogmas. Die katholische Theologie lehnte einen solchen Ansatz lange ab, was sich selbst bei Theologen nachweisen lässt, die zu ihrer Zeit als liberal und rationalistisch galten. Georg Hermes zum Beispiel, der 1835 von Papst Gregor XVI. verurteilt wurde, weil er den „positiven Zweifel“ als notwendigen Bestandteil theologischer Methodik ansah und die Vernunft als den einzigen Weg betrachtete, auf dem der menschliche Geist Gott erkennen könne, argumentierte laut einem seiner Schüler, dass „er als Katholik eine Dogmengeschichte im gewöhnlichen Sinne des Wortes nicht anerkennen könne, weil die Dogmen das, was sie sind, auch immer gewesen seien“. Die meisten katholischen Theologen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hätten dem zugestimmt. Das Projekt fragt: Wann, wie und warum hat sich die katholische Haltung gegenüber der Dogmengeschichte gewandelt? Gibt es einen spezifisch katholischen Ansatz der Dogmengeschichte, der sich von den Ansätzen anderer Konfessionen oder von der Herangehensweise nicht-theologischer Disziplinen unterscheidet? Was ist das dogmatische Moment an der Dogmengeschichte, wie sie in der katholischen Theologie betrieben wird?

Weitere Informationen zum Projekt

Laufzeit: 2026-2051

Finanzierung: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste

Projektleitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Wolf, Prof. Dr. Michael Seewald, Prof. Dr. Jan vom Brocke

Das Projekt ediert die fast 10.000 Bittschriften, die als jüdisch verfolgte Menschen während der Schoah an Papst Pius XII. und die Römische Kurie richteten. Die Hilfesuchenden – Frauen, Männer und Kinder – stammten aus ganz Europa. Sie gehörten unterschiedlichen jüdischen Denominationen und sozialen Schichten an. Ihre in 17 Sprachen verfassten Briefe bilden daher ein breites Spektrum des „Jüdisch-Seins“ vor und während der Schoah ab. Ziel des Projektes ist es zum einen, die Schicksale, die sich hinter den Bittschreiben verbergen, zu rekonstruieren und den Hilfesuchenden wieder eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Zum anderen trägt das Vorhaben dazu bei, die Haltung Pius’ XII. und seiner Mitarbeiter zur Schoah sowie die komplexen Entscheidungsprozesse an der Römischen Kurie zu erforschen. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt. Kirchengeschichte, Dogmatik und Wirtschaftsinformatik nutzen Methoden der digital humanities, um den mehr als 50.000 Blatt umfassenden Aktenbestand auszuwerten und zu versuchen, das Schicksal jeder dort erwähnten Person zu rekonstruieren.

Weitere Informationen zum Projekt

Team