Michael Seewald hält Libori Lecture 2026 in Paderborn
24.07.2026
Dogmen sind keine ewigen Wahrheiten, sondern historisch entstandene Formen kirchlicher Lehre: In Paderborn warnt Michael Seewald vor theologischer Ängstlichkeit und überzogener Gewissheit religiöser Akteure.
München/Paderborn – Michael Seewald hat bei der Libori Lecture 2026 vor theologischer Ängstlichkeit gewarnt. Angst verhindere notwendige inhaltliche Auseinandersetzungen mit der Glaubenslehre, so Seewald in Paderborn. Dogmen könnten nicht mit der Lehre der Kirche insgesamt gleichgesetzt werden. Sie entstünden erst, wenn die Kirche eine bestimmte Deutung der Offenbarung verbindlich vorlege. Gott offenbare jedoch keine Dogmen, sondern einen Willen, der mehrdeutig interpretiert werden könne. Erst die Kirche gebe einer dieser Deutungen die Form eines Dogmas. Seewald kritisierte eine amtliche „Gewissheitsrhetorik“ dogmatischen Lehrens, die den Eindruck von erkenntnismäßiger Sicherheit vermittle, obwohl Dogmen geschichtlich entstandene und historisch wandelbare Formen kirchlicher Lehre seien.
Libori Lecture 2026: Akademische Eröffnung des Libori-Festes
Die Libori Lecture wird von der Theologischen Fakultät Paderborn und dem Möhler-Institut für Ökumenik veranstaltet. Die Vorlesung wird zur akademischen Eröffnung des Liborifestes, eines der größten Volksfeste in Deutschland, von international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gehalten. Im Jahr 2025 hielt Massimo Faggioli (Villanova University, USA) die Libori Lecture. An die Vorlesung schloss sich eine Masterclass mit Schülerinnen und Schülern an.