München – Michael Seewald hat davor gewarnt, die sakramentale Struktur der Kirche als Argument gegen mehr Laienbeteiligung in Stellung zu bringen. „Der Sakramentsbegriff, wie das Zweite Vaticanum ihn verwendet, taugt nicht als Besitzstandswahrer“, sagte Seewald am Montag in München.
Das Zweite Vatikanische Konzil verstehe die Kirche als dynamisches Zusammenspiel von Getauften und Geweihten, betonte Seewald in seinem Festvortrag. „Dass Ordinierte durch die sakramentale Weihe von Amts wegen dazu bestellt sind, Leitung auszuüben, Verkündigung wahrzunehmen und der Liturgie vorzustehen, impliziert nicht, dass Laien dazu nicht in der Lage wären.“ Das Konzil habe eine Neujustierung des Verhältnisses von Klerikern und Laien vorgenommen. „Nicht der Amtsträger lässt Christus gegenüber den Nichtordinierten gegenwärtig werden, sondern der Amtsträger hat eine spezifische Aufgabe im Geschehen der Vergegenwärtigung Christi, ohne dass diese Vergegenwärtigung in seiner Verfügungsgewalt stünde“, so Seewald.
Seewald sprach anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. An dem Staatsempfang in der Münchner Residenz nahmen unter anderem der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, die Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf, sowie Hans-Joachim Heßler, der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, teil.