Chile: Kompromissformeln in Offenbarungskonstitution des II. Vatikanums
03.07.2026
Was verrät „Dei verbum“ über das Verständnis von Offenbarung? In Chile zeigt Michael Seewald, wie das Zweite Vatikanische Konzil zwischen Recht und Dialog vermitteln wollte und schlägt eine Brücke zur Synodalität.
Gruppenbild der Tagung "Fundamentaltheologie aus synodaler Perspektive. Synodalität als theologische Methode"
München/Santiago de Chile – Michael Seewald hat die Offenbarungskonstitution „Dei verbum“ als Kompromissdokument vorgestellt. Sie enthalte verschiedene Leitvorstellungen davon, was die Kirche als Deuterin der Offenbarung auszeichne, sagte Seewald bei einem internationalen Workshop in Santiago de Chile. Das Zweite Vatikanische Konzil verwende sowohl eine dekretale, rechtsbezogene als auch eine konversationale, auf das Gespräch bezogene Metaphorik, um zu erklären, was es unter Offenbarung verstehe, so Seewald.
„Dei verbum“ und die Bedeutung für die Synodalität
Das von Papst Franziskus initiierte Projekt einer synodalen Kirche knüpfe dabei an die konversationale Motivik von „Dei verbum“ an, die sich in den Jahrzehnten nach dem Konzil lehramtlich jedoch nicht durchgesetzt habe. Seewald warnte daher vor überzogenen Erwartungen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern würde. Wie nachhaltig das Synodalitäts-Projekt von römischer Seite verfolgt werde, müsse sich erst noch zeigen.
Der Workshop mit dem Titel „Teología fundamental en clave sinodal. La sinodalidad como método teológico“ fand vom 29. Juni bis 3. Juli 2026 in Santiago de Chile statt. Neben Seewald referierten unter anderem der Generalsekretär der Internationalen Theologischen Kommission, Piero Coda (Italien), Gerardo Söding (Argentinien), Pierangelo Sequeri (Italien) und María Clara Bingemer (Brasilien).