Posterpräsentation beim Forschungstag des 4MZ

Professor Dr. Dr. Burkhard Josef Berkmann ist als Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenrecht, zu dessen Arbeitsgebieten auch das Orientalische Kirchenrecht gehört, Mitglied des Münchner Mittelost-Mittelmeer-Mittelasien-Zentrums (4MZ). Auf seine Empfehlung hin präsentierte Ulrich Schmaltz, Studierender am Klaus-Mörsdorf-Studium für Kanonistik, beim Forschungstag des 4MZ am 12. Juni 2026 sein Lizentiatsprojekt zur Rezeption der trullanischen Kanones im Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium (CCEO).

Sein Poster veranschaulichte den Forschungsansatz des Projekts: Untersucht wird, in welcher Weise Normen des Quinisextums von 691/2 im CCEO von 1990, der rund 1300 Jahre später promulgierten Kodifikation des katholischen Ostkirchenrechts, rezipiert und dabei adaptiert oder transformiert wurden – oder auch keine Aufnahme fanden. Dabei macht das kanonistische Projekt auch kirchenhistorische und byzantinistische Perspektiven für die Analyse dieser Rezeptionsprozesse fruchtbar.

Die Posterpräsentation führte zu einem intensiven interdisziplinären Austausch, insbesondere mit Zachary Chitwood und Federico Alpi, die im Rahmen eines groß angelegten EU-geförderten Forschungsprojekts untersuchen, wie sich östliche Christen zwischen etwa 630 und 1100 in ihren normativen Ordnungen mit dem Aufstieg des Islams auseinandersetzten und wie die Begegnung mit dem Islam die langfristige Entwicklung ostchristlicher Rechtsordnungen prägte. Dieser weit gespannte Forschungszusammenhang weist unmittelbare Berührungspunkte mit dem Lizentiatsprojekt auf. In den anschließenden Fachgesprächen wurden unter anderem eine Resilienz-Perspektive auf den trullanischen Kanon 37, die sogenannten „armenischen Kanones“ des Quinisextums im Kontext der armenischen Kirchenrechtstradition sowie die Frage nach möglichen Bezügen zwischen den christologischen Lehrentscheidungen des VI. Ökumenischen Konzils und den Kanones des Quinisextums erörtert.

Der intensive und für das Lizentiatsprojekt besonders ergiebige Austausch bestätigte die Relevanz interdisziplinärer Perspektiven, die die kanonistische Analyse bereichern, ohne deren eigenständige Fragestellung und Methodik zu ersetzen. Zugleich verdeutlichte er weiterführende Anknüpfungspunkte insbesondere zur Byzantinistik sowie zur spätantiken und frühmittelalterlichen Geschichte.