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Vortrag von Dr. Niels Becker zur edition-in-progress der Quaestionensumme des Honorius von Kent

21.07.2026

Vorstellung des aktuellen Forschungsprojekts des Fachgebiets Kirchliche Rechtsgeschichte bei der Jahrestagung des Netzwerks Historische Grundwissenschaften

Am 21. Juli 2026 wird Dr. Niels Becker im Rahmen der 12. Jahrestagung des Netzwerks Historische Grundwissenschaften an der Universität Graz zum am Lehrstuhl (Fachgebiet Kirchliche Rechtsgeschichte) beheimateten Forschungsprojekt zur Edition der Quaestionensumme des Honorius von Kent präsentieren. Der Titel des Vortrags lautet „Edieren als interdisziplinäres Unterfangen: Methodische Überlegungen anhand der edition-in-progress der Quaestionensumme des Honorius von Kent“.

Zum Programm der Tagung.

Der Ankündigungstext zum Vortrag wird im Folgenden wiedergegeben:

Ausgangspunkt meines Vortrags ist mein inzwischen weitgehend abgeschlossenes Editionsprojekts zur Quaestionensumme des englischen Rechtsgelehrten Honorius von Kent, das dieser Ende des 12. Jahrhunderts in Paris verfasste.

Das Werk ist inhaltlich hochinteressant und gehört zu den wichtigsten Werken der anglonormannischen Kirchenrechtsschule des späten 12. und frühen 13. Jahrhunderts. Es bietet ergänzend zu Honorius’ Dekretsumme, die einen fortlaufenden Kommentar des Decretum Gratiani enthält, eine vertiefte Diskussion ausgewählter Fragestellungen und beschäftigt sich u.a. ausführlich mit Fragen des klerikalen Lebenswandels.

Im Mittelpunkt meiner Ausführungen soll aber nicht der Inhalt des Werks, sondern vielmehr der Prozess des Edierens selbst stehen.

Da die Geschichte des Editionsprojekts sich (mit Unterbrechungen) über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten erstreckt, ist es in idealer Weise dazu geeignet, methodische und technische Veränderungen des Editionsprozesses zu reflektieren und die insbesondere mit den digitalen Neuerungen der jüngsten Zeit einhergehenden Chancen und Probleme zu diskutieren. Dies reicht von Fragen der materiellen Beschaffenheit der Datenquellen (Originale, Fotos, Kopien, Digitalisate) über Fragen der Editionstechnik (Transkription, Kollation, Stemmatisierung) bis hin zur inhaltlichen Auswertung des edierten Textes (Lemmatisierung, Entitätensuche, Visualisierung). Auch die Gegenüberstellung traditioneller, händischer Editionstechniken mit modernen Softwarelösungen (z.B. Transkribus und Classical Text Editor) ist dazu angetan, nach Sinn und Wert der Editionsphilologie zu fragen und das Proprium dieser nicht immer ausreichend wertgeschätzten Form des philologischen Erkenntnisgewinns herauszuarbeiten.

Dabei stellt sich nicht zuletzt auch die Frage nach dem genuin interdisziplinären Charakter des Edierens und den veränderten Voraussetzungen eines multidisziplinären Arbeitsprozesses unter den Vorzeichen der Digital Humanities. Welche Konstanten im Zusammenspiel von Philologie, Theologie, Geschichtswissenschaft und Grundwissenschaften lassen sich beobachten, welche neuen Dynamiken entstehen angesichts sich verändernder methodischer Voraussetzungen?

Der Vortrag versteht sich so auch als Bekenntnis zur theoretisch fundierten editorischen Praxis und der zentralen Rolle der Grundwissenschaften im interdisziplinären „Konzert“ der für den Editionsprozess relevanten Disziplinen.