Migration Governance in Nigeria am 11./12.6.2026
11.08.2026
Assessing Legal, Human Rights, Political, Co-existential and Socioeconomic Implications for Sustainable Development
11.08.2026
Assessing Legal, Human Rights, Political, Co-existential and Socioeconomic Implications for Sustainable Development
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projekts „Gerechtigkeitstheoretische Analyse von Klimawandel und Migration (KliMi)“ organisiert, einer interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen dem Lehrstuhl für Christliche Sozialethik und dem Institut für Ethnologie der LMU.
Die afrikanisch-nigerianische Delegation brachte ein Team von Wissenschaftlern des Zentrums für Migrationsstudien und der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Nnamdi-Amikale-Universität in Awka, Bundesstaat Anambra, Nigeria, zusammen.
Das Team wurde geleitet von Dr. Chijioke Francis Nwosu, Postdoktorand des Projekts am Lehrstuhl für Christliche Sozialethik der LMU München.
Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Veranstaltung standen aktuelle Migrationsdiskurse und die Frage der Governance. Vor dem Hintergrund der heutigen klimabedingten Mobilitätsmuster und der dadurch auf nationaler und globaler Ebene ausgelösten Krisen warnte Prof. Dr. Markus Vogt in seiner Eröffnungsrede davor, die Klimakrise – insbesondere im Globalen Süden – als zweitrangigen Faktor zu behandeln. Die Wechselbeziehung zwischen Klimawandel, Migration und Entwicklung erfordert daher eine vernetzte Governance-Ethik. Eine Reihe ausgewählter Vorträge und Brainstorming-Sitzungen befasste sich präzise, kritisch und bewertend mit der Situation in Nigeria.
Im Rahmen der rechtlichen Analyse wurden die Instrumente zur Migrationssteuerung innerhalb des nigerianischen Staates sowie deren Gültigkeit im Kontext globaler und internationaler Beziehungen bewertet. Dabei wurde betont, dass Migration ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Existenz und der Gesellschaftsbildung ist. Folglich wird Migration, insbesondere in ihren legalen und organisierten Formen, als grundlegendes Menschenrecht angesehen, das Männern und Frauen gleichermaßen zusteht. Die rechtlichen Herausforderungen innerhalb des nigerianischen Migrationssteuerungssystems stellen jedoch ein Geflecht gesellschaftlicher Faktoren dar, das sowohl den Staat als auch die Zivilgesellschaft dazu veranlasst, von ihrem Ansatz in der Migrationspolitik abzuweichen. Dies führt zu Zwangsmigration, Menschenhandel und dem Missbrauch von Frauen, Kindern und anderen schutzbedürftigen Gruppen.
Im politischen Rahmen wurde die Bedeutung einer funktionsfähigen Politik für die Migrationssteuerung hervorgehoben. Daher steht das Ausmaß, in dem legale und reguläre Mobilitätsmuster der Menschen den globalen Best-Practice-Standards entsprechen und mit diesen in Einklang stehen, in direktem Verhältnis zum Ausmaß des einheimischen politischen Willens, eine humane, menschenorientierte Steuerung aufzubauen.
In ihrer Grundsatzrede zur aktuellen Lage der regulären Arbeitsmigration in Afrika beleuchtete Prof. Tracie Utoh-Ezeajuh, Direktorin des Zentrums für Migrationsstudien an der NAU Awka, sowohl die Perspektiven als auch die Herausforderungen. Im Mittelpunkt der Debatte stand der Begriff „regulär oder irregulär“ anstelle von „legal oder illegal“, um der Komplexität des aktuellen Migrationsdiskurses gerecht zu werden. Während Nigeria bei der Arbeitsmigration eine Vorreiterrolle einnimmt, besteht weiterhin Bedarf an Aufklärung und der Betonung von Migrationsmustern, die zwar „Dein Recht ist, aber auf die richtige Art und Weise erfolgen müssen“.
In der ersten gemeinsamen Präsentationsrunde wurden die landesinternen Herausforderungen erörtert, die zu Zwangsmigrationsmustern beitragen, darunter mangelnde nationale Integration, negativer Druck aufgrund eines nicht homogenen Staates, erzwungene Koexistenz, soziopolitische und wirtschaftliche Ausgrenzung sowie die zunehmende Unsicherheit im Staat. All diese Faktoren tragen zu nationalen, internationalen und grenzüberschreitenden Spannungen bei, in die nigerianische Migranten verwickelt sind. Der vorgeschlagene ethische Ansatz sieht eine erneute Fokussierung auf Nigerias „integrale Ökologie“ vor.
In der letzten Sitzung ging es um die sozioökonomischen Ungleichheiten, die eine Stärkung der Selbstverwaltung der indigenen Bevölkerung, den Aufbau von Kapazitäten und Innovationen verhindern. Eine nachhaltige staatliche Wirtschaft kann angesichts mangelhafter nationaler Investitionsmöglichkeiten und der massiven Abwanderung von Fachkräften und Innovatoren in sogenannte „exogene Chancenländer“ (exogenous lands of opportunity) nicht gedeihen.